„BOXEN WAR IMMER BERUFUNG!“ – WILFRIED SAUERLAND FEIERT 80. GEBURTSTAG

Vor über 40 Jahren gründete Wilfried Sauerland seinen Boxstall und brachte zahlreiche Athleten an die Weltspitze und zu diversen Titeln. Am heutigen 29. Februar feiert das Mitglied der „Hall of Fame“ seinen 80. Geburtstag. Im Interview blickt Wilfried Sauerland, der seit vielen Jahren in Südafrika lebt, auf die Anfangsjahre zurück, spricht über die größten Boxer und Kämpfe und verrät, wie er seinen Ehrentag begeht. Das gesamte Team Sauerland gratuliert Wilfried Sauerland ganz herzlich!

Lieber Herr Sauerland, alles Gute! Welche Wünsche haben Sie zum 80. Geburtstag?

Vielen Dank! Natürlich wünsche ich mir Gesundheit und dass einfach alles so bleibt, wie es derzeit ist. Vielleicht auch ein wenig mehr Erfolg im Boxen!

Gibt es anlässlich Ihres Ehrentages eine große Feier?

Nein, dieses Mal feiern wir ganz ruhig. Meine Frau und ich werden nur für ein paar Tage in ein Tierreservat hier in Südafrika reisen. Das sind für mich die schönsten Urlaube und das mache ich seit mehr als 50 Jahren mindestens einmal im Jahr so, dieses Mal halt an meinem 80. Geburtstag.

Sie haben über die Hälfte Ihres Lebens im Boxgeschäft verbracht – was sind die prägendsten Erinnerungen an diese Zeit und wie können Sie Ihre Tätigkeit am besten umschreiben?

Im Boxgeschäft ist kein Tag ist wie der andere, das kann ich sagen. Es gibt immer wieder Überraschungen – leider nicht nur positive. Als Beruf habe ich das aber nie aufgefasst, eher als Berufung. Ich hatte mit meinem normalen Geschäft früher genug Arbeit, so dass ich einen zweiten „Beruf“ gar nicht hätte machen können. Ich konnte Boxen nur machen, weil es mir Spaß und Freude bereitet hat!

Wenn Sie eine Zeitreise unternehmen könnten: Was würden Sie Ihrem jüngeren Ich mit auf den Weg geben, das gerade vor dem ersten Kampf steht?

Meine allererste Boxveranstaltung war 1978, als ich für den in Sambia sehr bekannten Lottie Mwale einen Kampf vor 50.000 Fans im Stadion von Lusaka auf die Beine stellte. Ich war damals 38 Jahre alt und geschäftlich in Afrika aktiv, hatte mit Boxen also eher nichts zu tun. Das Event funktionierte aber gut, kurze Zeit später veranstalteten wir dann erstmals auch in Deutschland. Meinem jüngeren Ich würde ich folgendes mitgeben: Sei bereit, viel Geld und Zeit ins Boxen zu investieren. Habe Geduld und vertraue nicht jedem. Bleib mit beiden Beinen auf dem Boden und verliere nie deinen Optimismus. Wenn du dann noch etwas Glück hast, kannst du es schaffen!

Welches waren die beeindruckendsten Boxer, sowohl persönlich als auch sportlich, die Sie in über 40 Jahren promotet haben?

Sportlich waren es in der Reihenfolge ihrer Tätigkeit bei uns John Mugabi, Rene Weller, Graciano Rocchigiani, Henry Maske, Sven Ottke, Markus Beyer, Mikkel Kessler, Nikolai Valuev und Alexander Povetkin. Zusätzlich zu den oben genannten muss ich natürlich Axel Schulz nennen, der zwar leider nie einen internationalen Titel holte, aber durch sein Auftreten viele Zuschauer für sich gewann.

…und außerhalb des Team Sauerland?

Da werden mir die Begegnungen mit Muhammad Ali, Marvin Hagler, Frank Bruno, Ken Norton, Nino Benvenuti und natürlich Max Schmeling unvergessen bleiben. Selbstverständlich habe ich noch viele andere interessante und erfolgreiche Boxer getroffen, aber die Liste wäre einfach zu lang. Viele der Boxer hatten und haben zwar eine “große Klappe” bei öffentlichen Auftritten, aber das gehört einfach zum Geschäft. Privat habe ich die meisten als bescheiden und sehr zugänglich erlebt!

Und welches war der beste Kampf, den Sie je live erlebt haben?

Da gibt es einfach zu viele! Eines ist bei mir aber hängen geblieben, wenn ich mich an die letzten Jahre erinnere. Als Anthony Joshua im September 2018 gegen Alexander Povetkin in Wembley geboxt hat, sangen 90.000 Zuschauer “Sweet Caroline”. Das war schon sehr beeindruckend!

Wo sehen Sie den Boxsport heute, sowohl in Deutschland als auch weltweit?

Der Boxsport in Deutschland ist nicht so erfolgreich wie vor 10-15 Jahren, obwohl es glücklicherweise reichlich Promoter gibt, die Zeit und Geld in diesen tollen Sport investieren. Es fehlen etwas die guten Boxer, bei den Amateuren tut sich da nicht viel. Den letzten guten haben wir mit Abass Baraou verpflichtet. Er macht große Fortschritte und kann in ein bis zwei Jahren Weltmeister werden, auch wenn seine Gewichtsklasse hart umkämpft ist. Aber Abass ist sehr talentiert, hat das technische Rüstzeug und trainiert hart. Dazu haben wir weitere gute Talente im Stall wie Denis Radovan, Patrick Wojcicki, Leon Bunn, Sophie Alisch und natürlich Vince Feigenbutz, der nach seinem verlorenen WM-Kampf jetzt einen neuen Anlauf starten muss, um wieder nach vorne zu kommen! Weltweit gibt es in allen Gewichtsklassen starke Leute, die vielleicht in Europa nicht so bekannt sind, aber in den USA oder sogar Japan erfahren diese Boxer sehr viel Aufmerksamkeit. Die World Boxing Super Series, welche Kalle ja sportlich führt, erfährt überall auf der Welt großen Zuspruch und ist auf dem Weg, eine feste Marke zu werden.

Gerade hat die Boxwelt auf den spektakulären Kampf von Deontay Wilder gegen Tyson Fury geblickt. Wie bewerten Sie das Duell und wer war der beste Schwergewichtler, den Sie je promotet haben?

Das Aushängeschild des Boxens war schon immer das Schwergewicht. Der Kampf von Wilder gegen Fury hat sehr viel Aufmerksamkeit erfahren und mit Fury einen Weltmeister bekommen, der nicht nur ein guter Boxer ist, sondern der unterhalten kann und das Publikum neben dem Ring fasziniert. Er könnte das Schwergewicht nochmal auf ein neues Level heben. Die besten Schwergewichtler, die ich in meiner Karriere promotet habe, waren wohl Alexander Povetkin, Nikolai Valuev und Željko Mavrović. Derzeit haben wir mit Filip Hrgovic einen der besten jungen Schwergewichtler unter Vertrag, der nach nur zehn Profikämpfen bereits zu den zehn besten der Welt gehört und in den kommenden ein bis zwei Jahren um eine Weltmeisterschaft boxen dürfte.

Gegründet wurde der Boxstall von Ihnen, mittlerweile ist es ein Familienunternehmen. Wie lange wollen Sie noch im Geschäft bleiben?

Kalle kümmert sich um die WBSS, Nisse um England, Skandinavien und Deutschland. Ich telefoniere täglich mit den beiden und stehe beratend zur Seite, möchte aber immer weniger eingreifen. Ich bin sehr stolz, dass wir jetzt seit über 40 Jahren im Boxgeschäft erfolgreich arbeiten dürfen, auch wenn es immer Höhen und Tiefen gegeben hat. Ich bin dahingehend sehr zuversichtlich, dass alles erfolgreich von meinen Söhnen weitergeführt wird!

2020-02-29T10:41:25+00:00 29. Februar 2020|News|